LIVE NIRVANA INTERVIEW ARCHIVE November 12, 1989 - Oldenburg, DE

Interviewer(s)
Gerd Wichmann
Interviewee(s)
Kurt Cobain
Chad Channing
Publisher Title Transcript
EB-Metronom Nirvana Yes (Deutsch)

Chad's Vater arbeitete als Radio-DJ, Ständig versorgte er seinen Sohn (damals gerade 12 Jahre alt) mit den neuesten Punk-Platten Der kleine Chad bedankte sich Jahre später bei ihm, als er Jahre später bei Nirvana einstieg.

Es ist jetzt zwei Jahre her, daß sich Kurdt Kobain und Chris Novoselic trafen, um ein Demo aufzunehmen "Das Demo haben wir zusammen mit dem Schlagzeuger der Melvins aufgenommen. Jack Endino, der Produzent, gab das Tape an Sub Pop weiter."

Der Rest ist schnell erzählt. Ein Anruf von Sub Pop bei Kurdt machte die Sache klar, neun Monate später wurde die erste Single “Love Buzz” aufgenommen.

Die Musiker waren damals alle knapp 20 Jahre als, d.h. zu jung um Punk bewußt miterlebt zu haben. Dennoch gehören Punkbands zu ihren Einflüssen, was wohl daran liegt, daß Chad Channing durch seinen Vater, der als Radio-DJ und beim Fernsehen arbeitete, an Punk- und Rockmusik herangeführt wurde. "Die erste Platte die ich bekam, war eine Single von Humble Pie."

Sichtlich geschafft von ihrem gestrigen Auftritt in Berlin, saßen mir Kurdt Kobain und Chad Channing gegenüber. “Wir haben im Ecstasy gespielt, Tad begann erst um zwei an zu spielen, so daß wir erst um vier auf die Bühne kamen. Zu allem Überfluss habe ich auch noch meine Lieblingsgitarre zerschlagen, und muß deshalb heute auf einer Ersatzgitarre spielen, die absolut schrecklich klingt."

Hat euer Name etwas mit der 60er Psychedelic Band gleichen Namens zu tun?

KURDT: "Als wir begannen, wußten wir nicht, daß es noch eine andere Band mit diesem Namen gibt. Wir haben erst später die Band kennengelernt."

Mögt ihr denn deren Songs?

KURDT: "Nein, überhaupt nicht. Ich hasse solche Musik. Ich habe bisher zwei Alben von ihnen gehört, das was ich gehört hatte, klingt nach schlecht nachgeahmten Bee Gees. Hast du mal was von ihnen gehört?"

Ja, ich besitze "Black Flower", eine Compilation mit zum Teil unveröffentlichten Stücken von ihnen Ich mag ihre Songs sehr, diese schön orchestrierten soften Popstücke höre ich gern.

KURDT: “In einem Artikel wurden sie oral mit den frühen Bee Gees verglichen, ich finde das sagt schon genug."

Hattet ihr bisher Probleme damit, ihren Namen zu benutzen?

KURDT: "Nein, bisher nicht."

Was würdet ihr machen, wenn es Probleme gäbe? Wurdet ihr vielleicht euren Namen in Nirvana Jr. ändern?

KURDT: "(lacht) Ja, Nirvana Jr. ist eine gute Idee, wahrscheinlich würden wir uns so nennen."

Nirvana kommen aus der Industriestadt Seattle, die in der letzten Zeit durch das dort beheimatete Sub-Pop-Label auf sich aufmerksam machte, auf dem zahlreiche neue Bands erschienen sind, u.a. Tad und Nirvana. "Seattle hat einen Radius von 70 Meilen, wir leben im Randgebiet. Wir wohnen ca. 60 Meilen voneinander entfernt. Es ist schon schwierig für uns zusammenzukommen- Chad z.B. lebt auf einer kleinen Insel, wir brauchen immergut 35 Minuten Bootsfahrt um ihn zu erreichen. Es ist der einzige Weg um zu ihm zu kommen", erzählt mir Kurdt.

Würdest du sagen, daß Sub Pop so etwas wie eine Philosophie hat?

KURDT: "Ja, ich denke schon. Sie haben eine bestimmte Art von Musik, die sie herausbringen. Die grafische Gestaltung ist bei allen Platten gleich."

CHAD: "Man kann schon sagen, daß sie versuchen, einen eigenen Stil zu entwickeln, sowohl grafisch als auch musikalisch."

Wer gestaltet eure Platten?

KURDT: "Das Foto hat meine Freundin gemacht, ebenfalls das auf der EP, die Idee für die Gestaltung kam von mir."

Ihr habt gerade mal 600 Dollar für die Aufnahme von “Bleach” gebraucht. Wie kommt man mit so wenig Geld aus?

KURDT: "Ganz einfach, wir hatten nicht mehr Geld für the Aufnahmen, deshalb stellte sich für uns nicht die Frage, wir mußten einfach damit auskommen. Wir haben das Studio für vier Tage gebucht und es auch in vier Tagen geschafft, die LP einzuspielen."

CHAD: "Wir wollten nicht, daß das Album zu gut produziert klingt. Es sollte noch rauh genug sein."

In einem !nterisiew habt ihr gesagt, daß ihr nicht mit den Aufnahmen zufrieden seid.

CHAD: "Nun, das Problem war, daß wir das Studio nur für vier Tage gemietet hatten, wir mußten also innerhalb dieser Zeit die Aufnahmen gemacht haben. Da kam es schon mal vor, daß wir gesagt haben, die Aufnahme sei okay, obwohl sie nicht den idealen Sound hatte, nur um aus dem Studio herauszukommen. Beim nächsten Album werden wir versuchen, ohne diesen Druck zu arbeiten."

KURDT: "Hinzu kommt, daß einige Songs sehr alt sind. Das Album hätte vor zwei Jahren erscheinen sollen. Für die nächste Platte wollen wir einen härteren Sound, mehr Gitarrenoverdubs."

Die EP “Blew" habt ihr mit Steve Fisk aufgenommen wie seid ihr an ihn geraten?

KURDT: "Für uns kam kein anderer Produzent in Frage. Es macht Spaß mit ihm zu arbeiten. Er hat eine besondere Art, sich in die Band hineinzuversetzen und den Sound aus ihr herauszuholen, den sie haben will."

Wie findet ihr seine Solo-LP und die Sachen, die er mit Pell Mell gemacht hat?

CHAD: "Er hat uns mal ein Tape mit seinen Sachen mitgemacht. Ich bevorzuge die Sachen, die er jetzt macht, wirklich großartig."

KURDT: "Mir gefallen die Screaming Trees. Chris, unser Bassist, Mark Lanegan und Mark Pickerel von den Screaming Trees und ich arbeiten gerade an einer Single. Die Single soll zwei Coversongs von Leadbelly enthalten."

Dein Gesang klingt stark Metalbeeinflußt. Habt ihr irgendwelche Metalbands als Einfluß?

KURDT: "Ich mag eigentlich überhaupt kein Heavy Metal. Mir gefallen eher Bands wie Aerosmith und Black Sabbath, die Hardrock machen. Ich weiß, daß mein Gesang nach Heavy Metal klingt, ich ärgere mich auch selbst über meine Stimme..."

© Gerd Wichmann, 1989